11.699 € - so viel Geld hat der Durchschnittseuropäer jährlich pro Kopf zum Konsum zur Verfügung. Dies ist das Ergebnis der neuen Studie „GfK Kaufkraft Europa 2009/2010“. Diese untersucht die regionalen Niveauunterschiede in der Kaufkraft der Menschen in 41 europäischen Ländern. Die diesjährige Studie zeigt neben den Auswirkungen der Krise in krisengebeutelten Ländern wie Irland und Island auch diejenigen Regionen, in denen es sich lohnt, Vertriebs- und Marketingaktivitäten zu konzentrieren.
Für Unternehmen ist es vor dem Eintritt in einen neuen Markt erfolgsentscheidend zu wissen, wo der größte Gewinn zu holen ist bzw. ob der Markt überhaupt genug Potenzial bietet. Ohne objektive Anhaltspunkte und faktenbasierte Analysen sind strategische Entscheidungen wie Expansion, neue Standorte, Sortimentsänderungen oder Werbekampagnen ein großes finanzielles Risiko für ein Unternehmen.
Die GfK Kaufkraft bietet genau diese objektive Entscheidungs- und Bewertungsbasis – und das für 41 Länder in Europa, bis zur Ebene der Gemeinden und Postleitzahlen. Gerade die Vergleichbarkeit der Daten bietet Unternehmen, die direkt oder indirekt an den Endverbraucher verkaufen, das entscheidende Wissen um die regionalen Potenziale, die ein Markt wirklich bietet.
Nach den Ergebnissen der neuesten GfK-Studie stehen den europäischen Verbrauchern für das Jahr 2009 aus dem Haushalts-Nettoeinkommen ca. 8 Billionen Euro für Konsumausgaben zur Verfügung. Staatliche Leistungen wie Arbeitslosengeld, Kindergeld oder Renten sind hier inbegriffen. Dies entspricht einer Kaufkraft von 11.699 Euro pro Einwohner im Durchschnitt der 41 Studienländer. Europaweit gibt es erhebliche Unterschiede bei der Kaufkraft: Während beispielweise das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen in Norwegen 20.535 Euro beträgt, so verfügen die Einwohner in Bulgarien im Schnitt nur über 2.850 Euro.
Im Europadurchschnitt sank die Kaufkraft im Vorjahresvergleich um ca. 800 Euro. Die resultierende Zurückhaltung beim Konsum erzeugt zusätzlichen Druck in den Volkswirtschaften und im Einzelhandel. Ein entscheidender Faktor für die Kaufkraftentwicklung sind auch die negativen Währungs-Tendenzen einiger Nicht-Euro-Länder – diese beeinflussen die Kaufkraftstatistik, die in Euro geführt wird, ebenfalls negativ. So gehen die Prognosen der Europäischen Zentralbank für Polen (zum Stichtag 05.05.2009) von einem Währungsverlust von ca. 21 % gegenüber dem Vorjahr aus. Auch in anderen west- und südosteuropäischen Ländern werden starke Einbrüche der Währungen gegenüber dem Euro im Vorjahresvergleich erwartet (-12% in Großbritannien und Schweden, -14% in Ungarn und Weißrussland).
Die Krise schlägt sich in einer stark durchgemischten Kaufkraft-Rangfolge der Länder nieder: Demnach ist Deutschland im Europavergleich 2009 / 2010 wieder unter den Top 10. Hingegen fallen Irland und Island, die stark von der Finanzmarktkrise getroffen wurden, erstmalig seit Jahren aus den Top 10. „Im europäischen Vergleich steht Deutschland bezüglich der Kaufkraft in 2009 noch relativ gut da, die Konjunkturprogramme wie z.B. die Möglichkeit, Kurzarbeit verstärkt zu nutzen, lassen für dieses Jahr die Arbeitslosenzahlen und damit die durchschnittliche Kaufkraft noch gut aussehen.“, resümiert Simone Baecker-Neuchl, Leiterin des Bereichs Market Data & Research von GfK GeoMarketing.
Das West-Ost-Gefälle ist weiterhin klar erkennbar – der Aufholprozess der zentral- und osteuropäischen Länder wurde in 2009 durch die Finanzkrise teils erheblich gebremst. Andererseits verschob sich auch in den westlichen Ländern die Reihenfolge. So „überholt“ Slowenien in diesem Jahr Portugal. Mit rund 10.060 Euro je Einwohner liegt Slowenien aber noch ca. 1.600 Euro unter dem Europadurchschnitt.
Simone Baecker-Neuchl weist darauf hin, dass einige Länder, die sich vor der Krise in einer Wachstumsphase befanden, in 2009 starke Einbrüche hinnehmen müssen: „Besonders hart trifft die Krise Irland, wo wir einen Einbruch der Kaufkraftsumme um 18 Prozent sehen, aber auch die baltischen Staaten mit Einbrüchen zwischen 10 und 28 Prozent.“
Das Ranking nach Eurowerten auf Länderebene ist aber durch die anhaltenden Währungsschwankungen weniger aussagekräftig als in den Vorjahren. Baecker-Neuchl: „Der reale Wohlstand der Einwohner ist eng gekoppelt an das lokale Preisniveau, das aber nicht Gegenstand der Kaufkraftstudie sind. Die währungsabhängigen Länderwerte sind aber dennoch wichtig für internationale Einzelhändler, die ihre Gewinnerwartungen und Absatzplanung nach Gesamtvolumina in Euro durchführen. Für Einzelhändler, die innerhalb eines Landes genau planen wollen, ist aber zusätzlich der Blick auf die Unterschiede innerhalb der einzelnen Regionen eines Landes entscheidend, um das vorhandene Potenzial genau zu lokalisieren und etwa Marktanteile dazu zu gewinnen.“
Die GfK Kaufkraftstudie 2009 / 2010 bietet Kaufkraftdaten zu allen Regionen Europas – für 41 Länder bis zur kleinsten verfügbaren Einheit, den Gemeinden oder Postleitzahlen. Somit zeigt die Studie die interessantesten Wirtschaftsregionen Europas – unabhängig von der Krise.
Preisliste GfK Kaufkraft und Karten-Edition Europa 2009/2010
Die Kaufkraft bezeichnet das verfügbare Einkommen ohne Steuern und Sozialabgaben inklusive Transferleistungen und wird pro Kopf und Jahr in Euro und als Index ausgewiesen. Die GfK Kaufkraft bezieht sich auf die nominalen verfügbaren Einkommen, d.h. die Werte sind nicht inflationsbereinigt und beinhalten auch keine regional verschiedenen Preisniveaus. Basis der Berechnung sind neben Daten der Einkommen-
steuerstatistik einschlägige Statistiken zur Berechnung von Transferleistungen sowie Prognosewerte der Wirtschafts-
institute. Die Gesamtsumme der GfK Kaufkraft wird von der Bevölkerung sowohl für private Konsumausgaben aber ebenso auch für monatliche Fixkosten wie Mieten, Energiekosten, private Altersvorsorge und Versicherungen sowie andere Ausgaben, beispielsweise Urlaub oder Verkehr, verwendet.
Die Studie GfK Kaufkraft Europa wird jährlich flächendeckend für 41 europäische Länder berechnet, bis zur Ebene der Gemeinden und Postleitzahlen. Die Studie 2009 / 2010 ist ab sofort auf neuestem Daten- und Gebietsstand, inklusive Daten zu Einwohnern und Haushalten, verfügbar. GfK GeoMarketing bietet ebenfalls passende digitale Landkarten für ganz Europa an.