Eine Studie der Tufts-Universität in Boston liefert neue Erkenntnisse über Gegenden in Panama, Ecuador und der Dominikanischen Republik, in denen besonders viele unterernährte Kinder leben. GfK GeoMarketing stiftete digitale Landkarten als Basis der kartografischen Analysen.
Die Bekämpfung von Armut und Hunger gehört zu den wichtigsten humanitären Zielen der Vereinten Nationen. Unter „Hunger”, definiert als Zustand der Mangelernährung, leiden am häufigsten Kinder. Hunger ist ein Hauptfaktor bei Krankheiten, Kindersterblichkeit und einer verlangsamten kognitiven Entwicklung.
Ein erster Schritt, um die Verbreitung von Mangelernährung zu reduzieren, ist es, die Orte zu finden, an denen das Problem am massivsten auftritt.
Die „Gerald J. and Dorothy R. Friedman School of Nutrition Science and Policy” an der Tufts Universität in Boston, USA, ist führend in der Forschung zu Ernährungsfragen und entwickelt innovative Lösungsansätze, um den Hunger weltweit zu bekämpfen. Das Tufts Hunger-Kartierungs-Projektteam (TMMT) entwickelte zusammen mit dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen und den Regierungen in Panama, Ecuador und der Dominikanischen Republik eine bahnbrechende Methode, um für kleine regionale Einheiten das Ausmaß des Hungerproblems und die Anzahl der unterernährten Kinder zu bemessen. Diese Methode soll Regierungen dabei unterstützen, ihre oft knappen Ressourcen möglichst effizient auf besonders betroffene Regionen zu fokussieren. Das Projekt deckte auch Zusammenhänge zwischen dem Problem und dem Auftreten in verschiedenen Umgebungen auf (Stadt/Land; Bergregion/Küstengegend); damit lassen sich auch Erkenntnisse über die Ursachen ableiten.
Die Darstellung der Ergebnisse auf Karten war eine wertvolle Hilfe, um das genaue Hungerproblem im jeweiligen Land besser zu verstehen. Gute Karten lassen sich sofort und intuitiv interpretieren und können so auch eingesetzt werden, um schnell und wirkungsvoll Aufklärungs- und Kampagnenarbeit zu betreiben.
Die „Hungerkarten” von Panama, Ecuador und der Dominikanischen Republik wurden in „ArcGIS“ von ESRI erstellt. Dabei wurde ein spezielles Verfahren eingesetzt – SAE (Small Area Estimation). Dieser erlaubt, Daten aus einer repräsentativen Studie auf gröberer Ebene mit eigenen Forschungsdaten und demografischen Informationen zu „verschneiden“, um sie in Form einer Profilprognose auf die kleineren regionalen Einheiten zu übertragen.
GfK GeoMarketing stellte dem Forschungsteam dazu seine digitalen Landkarten für Panama zur Verfügung, die auch Informationen zu den administrativen Einteilungen und zu den größeren Städten enthalten. Diese wurden unter anderem eingesetzt, um die Entfernung zwischen den kleineren entlegenen Dörfern und den nächsten städtischen Zentren zu berechnen.
Die meisten Regierungen sammeln Informationen zum Ernährungszustand in repräsentativen landesweiten Studien, die auch eine Fülle weiterer Faktoren beinhalten. Dies sind etwa geografische, sozioökonomische und kulturelle Rahmenbedingungen. Die Verknüpfung dieser Daten mit geografischen Informationen erlaubt eine erheblich genauere Vorhersage über die Wahrscheinlichkeit, mit der in einer bestimmten Region das Hungerproblem auftritt. Denn dadurch treten soziale und umweltbedingte Schlüsselfaktoren zutage, etwa der Grad der landwirtschaftlichen Nutzung, das Klima, Zugang zu medizinischer Versorgung und Schulbildung, aber auch die Erreichbarkeit von Wirtschaftszentren.
Derzeit nutzen die Regierungen der Länder, die an dem Projekt teilnahmen, die Karten der Hungerverteilung und die von der Tufts-Universität entwickelten Methoden, um ihre nationalen Ernährungsprogramme zu optimieren.
Autor: James Wirth, Tufts-Universität
Für mehr Informationen zu der Studie und der Arbeit des Hunger-Kartierungs-Projektteams der Tufts Universität wenden Sie sich gerne an James Wirth:
ipwirth(at)gmail.com.
Die Ergebnisse finden sich auch unter www.nutrition.tufts.edu.